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Marina Frank - Ganz schön vielseitig!


21.07.2016 - Ungewissheit

Ungewissheit, das ist ein unangenehmer Zustand. Es geht immer darum, nicht zu wissen, was geschehen wird. Man hängt in der Luft und wartet auf etwas, beispielsweise auf die Antwort nach einem Vorstellungsgespräch oder darauf, ob man die gewünschte Wohnung auch wirklich zugesprochen bekommt oder nicht.

Beinahe unerträglich ist die Ungewissheit für Patienten, die auf das Resultat einer Gewebeprobe warten und sich ununterbrochen fragen, ob sie Krebs haben oder ob der Tumor gutartig ist.

Ein solcher Schwebezustand zerrt an den Nerven und er macht mürbe. Ohne konkretes Ergebnis kann man nicht mal damit beginnen, den Versuch zu unternehmen, selbst eine absolut niederschmetternde Nachricht zu verarbeiten. Wer keine Klarheit hat, tappt im Dunkeln, stochert im Nebel herum und gibt den Gedanken die allerbeste Gelegenheit, über „ungelegte Eier“ zu grübeln.

Besonders quälend muss es sein, wenn ein geliebter Mensch plötzlich und ohne ersichtlichen Grund verschwindet und dieser vielleicht über Monate, Jahre oder sogar für immer fort bleibt.

Was wie der Beginn für einen guten Roman klingt, wird für die Betroffenen in der Realität zur Hölle.

Unter Umständen ist es aber auch ganz gut, Phasen der Ungewissheit auszuhalten, etwa wenn sie sich auf Alltagssituationen oder andere eher banale Angelegenheiten beziehen. Warum den Dingen nicht mal Zeit geben, ihnen ihren Lauf lassen? Manches regelt sich dann beinahe wie von selber.

Aber dafür ist in unserer hoch technologischen hektischen Welt anscheinend kein Platz mehr.

Ich wünsche Ihnen möglichst wenig unangenehme Phasen der Ungewissheit.

Ihre Marina Frank


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Tödliches Geschenk - Leseprobe gefällig?

»Dieses verdammte Telefon!«, rief er plötzlich und hieb mit der Faust auf den Couchtisch, sodass die Tassen auf den Untertassen tanzten. Axel war wütend. Reichte es nicht, dass er in den letzten acht Wochen wegen Bea ständig mit schlechten Nachrichten aus dem Krankenhaus rechnen musste und froh war, wenn das Telefon nicht klingelte? Nun saß er hier wie auf Kohlen und hoffte inständig auf Anna-Lenas Anruf.

Wieso kam die Familie nicht zur Ruhe? Es sah doch alles so gut aus. Beas Transplantation stand kurz bevor. Mit Sabines Niere würde sie wieder ganz gesund werden, hatten die Ärzte gesagt, und nun das! Wo war Anna-Lena?

Um viertel nach elf klingelte es an der Haustür. Axel ging, um zu öffnen. Es war Conny. Anstatt ihn wie sonst überschwänglich zu begrüßen und mit einem Redeschwall zu überfallen, stand sie nur so da. Sie sah ihn entsetzt an – einen Zettel in der Hand.

Axel verstand nicht, was das sollte. Er brauchte einen Moment, bevor er fragte: »Ist alles in Ordnung mit dir?« Er trat einen Schritt zur Seite, um Conny hereinzulassen. Sie rührte sich nicht. Es sah so aus, als sei sie an der Türschwelle festgeklebt.

»Komm ins Haus. Du wirst noch ganz nass«, sagte Axel, schob Conny mit einer Hand, die er ihr auf den Arm legte, an sich vorbei und schloss die Tür. Axel sah Conny an. Wortlos hielt sie ihm den Zettel entgegen.

»Was soll ich damit?«, fragte Axel. Conny schwieg noch immer. »Was ist denn bloß mit dir los? Hast du etwa deine Sprache verloren?«

»Lies!«, sagte Conny mit tonloser Stimme. Axel griff nach dem Zettel, der vom Regen feucht geworden war. Er las die Worte, die darauf standen, ohne deren Bedeutung zu erfassen. Sie lauteten:

Diese Transplantation darf nicht stattfinden!
Wenn Sie Ihre Tochter lebend wiedersehen wollen,
lassen Sie die Finger davon!!!

Hier finden Sie eine weitere Leseprobe