Marina Frank - Buch: Esperanza
Marina Frank - Vielseitig!


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Tödliches Geschenk
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Esperanza

Zehn Kurzgeschichten von
Hoffnung und Liebe, Mut und Zuversicht

Geschichten, die berühren und zu Herzen gehen!

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Marina Frank - Ganz schön vielseitig!

Esperanza

Buch-Cover: Marina Frank - Tödliches Geschenk Esperanza
Zehn Kurzgeschichten von Hoffnung und Liebe, Mut und Zuversicht

ISBN der Print-Ausgabe: 978-1517115104
Amazon-Produkt-ID des eBooks (ASIN): B014RNOCR2
Seiten: 110
eBook: 0,99 €
Taschenbuch: 4,99 €

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Esperanza – das ist Spanisch und bedeutet Hoffnung. Sie ist ein Lebenselixier, das uns hilft, Zweifel und dunkle Gedanken zu verscheuchen. Wir brauchen sie, um an die Kraft der Liebe zu glauben und mutig und zuversichtlich auf eine strahlend helle Zukunft zu vertrauen.

Verschönern Sie sich die Zeit mit diesem Buch, tauchen Sie ein in die Welt von zehn ganz verschiedenen Frauen und begleiten Sie sie ein Stück auf ihrer Lebensreise. Jede von ihnen ist einzigartig und obwohl es sich um fiktive Geschichten handelt, könnten sie dennoch jederzeit genauso geschehen.

Sie erfahren, wie Regine es allen zeigt, Janina ihren Lebensmut zurück­gewinnt und Marlene doch noch ihr Ziel erreicht. Seien Sie dabei, wenn Frauke und Sunny einander wiederfinden, Ulrike zu neuen Ufern aufbricht, Sandra ihre Angst überwindet und Petra wieder unbeschwert nach vorne schauen kann. Für Simone geht an einem verregneten Tag die Sonne auf, Erika entdeckt ihre Lebensfreude wieder und Victoria kommt ganz groß raus.

Wie schon in ihrem ersten Buch „Tödliches Geschenk“ greift Marina Frank wieder auf lebensnahe Ereignisse zurück und will zum Nachdenken anregen: Mag uns die Welt auch manchmal noch so düster erscheinen, in der Mitte der Nacht beginnt ein neuer Tag.

Beschreibung

Esperanza ist eine Sammlung von zehn Kurzgeschichten, in denen es um Hoffnung, Liebe, Mut und Zuversicht geht. Die Hauptpersonen sind Mädchen und Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren. Obwohl sie sich in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen befinden, verbindet sie eines: ihre innere Kraft.

Da ist die stille Regine. Sie ist Rechtsanwaltsgehilfin, will es immer allen recht machen, stößt eines Tages an ihre Grenzen und kommt nicht umhin, eine Heldentat zu vollbringen.

Oder nehmen wir Janina, die nach einem Unfall fest davon überzeugt ist, lieber tot sein zu wollen, weil sie auf ihren Sport verzichten muss. Aber ist das wirklich so?

Marlene stellt fest, wie unberechenbar das Leben sein kann. Sie trainiert so hart für den Marathon und muss am Ende doch erst mal einen ganz anderen Weg einschlagen, um ans Ziel zu kommen.

Auch für Frauke läuft es denkbar schlecht. Ihr Hund Sunny verschwindet. Sie stellt sich schon darauf ein, ihn nie wiederzusehen, als das Leben eine Überraschung für sie bereithält.

Ulrike kommt mit der Vergangenheit in Berührung. Ein alter Freund zeigt ihr, dass es mehr im Leben gibt, als Arbeit, Familie und das ewige Einerlei. Für diese Erkenntnis zahlt sie allerdings einen hohen Preis.

Sandra ist furchtbar schüchtern. Sie stottert, aber es gelingt ihr dennoch eines Tages, auf eine Bühne zu gehen.

Seit die Kinder aus dem Haus sind, scheint für Petra alles sinnlos zu sein. Erst das Klassentreffen, an dem sie eigentlich gar nicht teilnehmen wollte, gibt ihr den richtigen Schwung und die Lust darauf, noch mal etwas Neues zu beginnen.

Nachdem Simone von ihrem Freund wegen einer anderen Frau verlassen wurde, glaubt sie nicht mehr an die große Liebe. Das ändert sich, als sie an einem verregneten Morgen in die U-Bahn steigt und dort für sie die Sonne aufgeht.

Erika liebt ihren Enkel Leon abgöttisch. Sie würde alles für ihn tun. Eines Tages muss er ins Krankenhaus...

Auch kleine Leute kommen manchmal ganz groß raus. Diese Erfahrung macht Victoria beim Quiz. Lieber wäre es ihr allerdings, wie ein vollkommen normaler Mensch behandelt zu werden.

Leseprobe

Hier finden Sie einen Auszug aus der Kurzgeschichte “Die stille Heldin“. Ich hoffe, er macht Ihnen Appetit auf mehr...

Regine Lange war eine unscheinbare Frau. Sie war durchschnittlich groß, hatte mittelbraune halblange Haare, die sie im Nacken zu einem Zopf zusammenfasste, ein unauffälliges Gesicht, das keinen bleibenden Eindruck hinterließ und eine leise Stimme, die leicht zu überhören war.

Regine lebte allein. Mit ihren achtunddreißig Jahren glaubte sie nicht mehr an die große Liebe, auch wenn sie für Norbert Seidel schwärmte. Regine fand alles an ihm toll, seine schwarzen Naturlocken, die dunklen Augen, seine breiten Schultern. In ihren Träumen war er ihr Beschützer. Norbert hielt alles Böse von Regine fern. Sie stellte sich vor, wie es wäre, mit ihm nach Spanien, ihrem Lieblingsland, zu reisen. An der Costa Brava würden sie romantische Strandspaziergänge im Sonnenuntergang machen, ausgezeichnete Weine und gutes Essen genießen, kurz gesagt, einfach glücklich sein. Regine wünschte sich, dass er sie auf sein Märchenschloss entführte, selbstverständlich auf einem weißen Pferd. Mit Norbert wollte sie im Heißluftballon um die Welt fahren. Er würde ihr zeigen, was sich hinter dem Regenbogen befand und dann würden sie nach den Sternen greifen.

Die Realität sah leider ganz anders aus. Regines Traumprinz war verheiratet. Außer, wenn es um Dienstliches ging, nahm er keine Notiz von ihr.

Regine war Rechtsanwaltsgehilfin. Sie arbeitete in der Kanzlei Seidel, Hinrichs & Partner. Neben den beiden Seniorpartnern Norbert Seidel und Arthur Hinrichs, gab es noch zwei Juniorpartner. Sie hießen Gudrun Wegner und Stefan Palm.

Und dann war da noch Lydia Vollbrecht. Sie war ebenfalls Anwältin und gehörte seit kurzem zum Team.

Im Gegensatz zu Regine, zog Lydia Vollbrecht durch ihr schrilles Äußeres die Blicke der Leute auf sich. Sie trug Kostüme in grellen Farben, hatte weißblonde kinnlange Haare und eine helle Stimme. Die junge Frau trat forsch und energisch auf und wusste genau, was sie wollte. Regine bewunderte sie dafür.

»Woher nimmt die bloß so viel Power?«, fragte sie Tina, eine der beiden anderen Anwaltsgehilfinnen, während der Kaffeepause.

»Die kann sich durchsetzen. Bei Gericht ist das von Vorteil«, stimmte Tina Regine zu. »Wenn die sich Gehör verschaffen will, legt die einfach los.«

»Da muss der Richter sich ganz schön anstrengen, um sie im Zaum zu halten«, sagte Hilde, die älteste der drei Frauen, lachend.

»Lasst uns mal lieber wieder an die Arbeit gehen. Sonst macht die noch Stress. Ich möchte mich nicht mit der anlegen«, warf Tina jetzt ein.

»Wer will das schon?«, fragte Hilde und stand auf. Regine folgte ihr.

Die Bürokräfte arbeiteten für alle vier Anwälte. Regine stellte sich also wie Tina und Hilde darauf ein, es eines Tages auch mit der Neuen zu tun zu bekommen.

Am liebsten schrieb sie für Norbert Seidel. Insgeheim betrachtete sie ihn allein als ihren Chef. Herr Hinrichs war sehr zuvorkommend, aber kein Märchenprinz. Frau Wegner und Herrn Palm fand Regine ganz nett. Die gehörten seit mehreren Jahren zur Kanzlei.

Wie in jedem Dezember, gab es auch dieses Mal eine Weihnachtsfeier. Sie fand in den Räumlichkeiten der Kanzlei statt. Mitarbeiter und langjährige Klienten waren herzlich eingeladen, sich am Buffet zu bedienen und bei weihnachtlichen Klängen das Tanzbein zu schwingen.

Regine ging jedes Jahr zu der Feier. Es machte ihr Freude, alte Bekannte wiederzusehen. Außerdem tanzte jeder der beiden Seniorparner einmal mit ihr. Das gehörte einfach dazu.

Für Lydia Vollbrecht war es die erste Feier bei Seidel, Hinrichs & Partner. Sie aß und trank ausgiebig und ließ es sich nicht nehmen, die Männer zum Tanzen aufzufordern.

Regine hätte sich das nie zugetraut. Sie war keine besonders gute Tänzerin. Als sie mit Norbert übers Parkett schwebte, sah die neue Anwältin zu ihnen herüber. Regine hatte den Eindruck, dass Lydia Vollbrecht jede ihrer Bewegungen genau inspizierte.

»Mögen Sie Ihren Chef?«, fragte die Anwältin, nachdem Regine den Tanz mit Norbert beendet und er sie zurück an ihren Platz gegleitet hatte.

»Ja, ich mag ihn schrecklich gern«, sagte sie offenherzig. »Er ist doch ein toller Mann. Finden Sie nicht?«

Lydia Vollbrecht lächelte vielsagend und steuerte auf den nächsten Tanzpartner zu.

»Vorsicht!«, meinte Tina, für die Regines Schwärmerei für Norbert Seidel längst kein Geheimnis mehr war. Jeder in der Firma wusste davon.

»Du bekommst Konkurrenz.«

»Was soll das heißen?«, fragte Regine. Sie fühlte sich ein wenig ertappt.

»Sieht ganz so aus, als hätte die Neue ein Auge auf deinen Norbert geworfen.«

Regine winkte ab: »Mein Norbert! So ein Blödsinn!«

»Sieh doch!« Tina wies mit dem Kopf zur Tanzfläche. Lydia lag in Norberts Armen und ließ sich von ihm führen. Sie schmiegte ihren Körper eng an seinen Bauch. Regine schaute weg. Sie wollte sich das nicht mit ansehen.

Die Feier endete spät. Das Wochenende lag vor ihnen. Wer einen Kater hatte, konnte ihn während der nächsten zwei Tage pflegen, bevor es Anfang der Woche wieder frisch ans Werk gehen würde.

Montagmorgen war es so weit. Lydia Vollbrecht schoss auf Regines Schreibtisch zu – Regine kam es jedenfalls so vor. Die Anwältin ließ eine Akte darauf fallen und sagte:

»Na, dann zeigen Sie mal, was in Ihnen steckt. Ich brauche die Sachen so schnell wie möglich.«

Regine stand der Mund offen. Sie hatte sich erschrocken. Außerdem hatte sie noch andere Arbeiten zu erledigen – für Norbert zum Beispiel.

Regine traute sich nicht, es zu sagen. Stattdessen blickte sie ängstlich zu der Anwältin auf.

»Bis heute Mittag ist das gemacht, klar?«, fragte Lydia Vollbrecht.

Regine schluckte. Vorsichtig begann sie: »Ich hätte da noch …«

»Das kann warten«, unterbrach die Anwältin Regine schroff. Der energische Tonfall in ihrer Stimme duldete keinen Widerspruch. »Je früher Sie anfangen, umso eher haben Sie es hinter sich. Ran ans Werk!«

Die Anwältin ging. Sie ließ eine unangenehm beißende Wolke aus Parfum, sowie eine vollkommen verunsicherte Regine im Büro der Anwaltsgehilfinnen zurück.

»Schlimmer hätte diese Woche nicht beginnen können«, dachte Regine. Übernervös machte sie sich an die Arbeit.

»Na bitte! Geht doch!«, rief Lydia Vollbrecht, als sie gegen Mittag die besagte Akte in Händen hielt.

Regine nahm all ihren Mut zusammen und sprach:

»Es wäre nett, wenn Sie mir die Aufträge bitte in den dafür vorgesehenen Ablagekasten auf meinem Schreibtisch legen würden.«

Lydia Vollbrecht sah sie entgeistert an.

»Meine Liebe, sagen Sie mir nicht, was ich zu tun und zu lassen habe. Wenn das jeder machen würde? Wo kämen wir denn da hin? Und nun raus. Ich habe Wichtigeres zu tun, als mich mit Ihnen über solch belangloses Zeug zu unterhalten.«

Regines Knie zitterten. Sie hatte das Gefühl, geschlagen worden zu sein. Schweigend verließ sie Lydia Vollbrechts Büro.

Regine war ganz blass. Die Begegnung hatte sie bis ins Mark getroffen. So respektlos war in der Kanzlei noch niemand mit ihr umgesprungen. Regine stand zwar nicht gerade auf Platz eins der Beliebtheitsskala bei Seidel, Hinrichs & Partner, wusste aber, dass man sie für kompetent und zuverlässig hielt. Eigenschaften, auf die Juristen besonderen Wert legten, da es bei gerichtlichen Auseinandersetzungen auf Genauigkeit und das Einhalten von Fristen ankam.

Die nächsten drei Tage vergingen ohne weitere Zwischenfälle. Regine war froh, dass sie nicht für »die Vollbrecht«, wie sie die Anwältin im Stillen nannte, arbeiten musste.

Am Freitag geschah es. Kurz vor Feierabend trat Lydia Vollbrecht an Regines Schreibtisch. Sie hielt ihr eine Akte unter die Nase und sagte: »Das muss heute noch raus.«

Regine erschrak. Da war sie wieder, diese laute ungehobelte Person. Regines Bewunderung für deren taffe Art hatte sich inzwischen in Luft aufgelöst.

»Das schaffe ich nicht mehr«, piepste Regine. Sie kam sich wie ein Mäuschen vor.

Die Vollbrecht stemmte die Hände in die Seiten, sah Regine fragend an und rief empört: »Selbstverständlich geht das heute noch raus! Was sind Sie eigentlich für eine Rechtsanwaltsgehilfin? Dies ist Ihre Arbeit, also erledigen Sie sie gefälligst – und zwar pronto!«

Regine zog den Kopf ein. Tina sah zu ihr herüber. Auch Hilde warf einen kurzen Blick in Regines Richtung.

Lydia Vollbrecht ging. Regine war den Tränen nahe. Die zusätzliche Arbeit würde mindestens zwei Stunden beanspruchen. Und das, wo es Regine schon die ganze Zeit über so mies ging! Mit Kopf- und Gliederschmerzen hatte es heute Morgen angefangen. Am liebsten wäre sie daheim im Bett geblieben. Regine hatte sich nur wegen Norbert zur Arbeit geschleppt. Sie war in die Kanzlei gekommen, um ihn zu sehen. Und dann die Enttäuschung! Es hatte nicht geklappt. Norbert war den ganzen Tag bei Gericht gewesen.

Regine ging es inzwischen noch schlechter. Sie hatte Schüttelfrost und wahrscheinlich sogar Fieber.

»Ich muss heim, mich auskurieren. Aber die Vollbrecht würde das niemals verstehen. Die sieht nur sich selber«, dachte Regine erschöpft und verbittert.

Seufzend machte sie sich an die Arbeit. Nach zweieinhalb Stunden war es geschafft und sie fuhr nach Haus.

Regine verbrachte das Wochenende im Bett. Mit heißer Zitrone, Wadenwickeln und viel Schlaf gelang es ihr, sich einigermaßen zu erholen. Am Montag fuhr sie, noch etwas wacklig auf den Beinen, in die Kanzlei. Regine hatte sich kaum hingesetzt, als Lydia Vollbrecht auch schon auf sie zustürzte.

»Wo ist die Akte, die ich Ihnen am Freitag gegeben habe?«, wollte die Anwältin wissen.

Regine verstand nicht.

»Die … ich … ich hab sie Ihnen auf den Tisch gelegt.«

»Da ist sie nicht. In fünf Minuten in meinem Büro, und zwar mit der Akte!«

Regine sah sich ängstlich um. Tina und Hilde saßen an ihren Schreibtischen. Sie waren bereits in die Arbeit vertieft.

Regine suchte fieberhaft nach der Akte. Sie war nirgends zu finden.

»Was soll ich bloß tun?«, fragte Regine sich verzweifelt. »Die Vollbrecht reißt mir den Kopf ab.«

Regine ging in den Waschraum. Sie spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Die Akte konnte nicht weg sein. Sie hatte sie am Freitag auf Frau Vollbrechts Tisch gelegt. Da war Regine sich hundertprozentig sicher. Sie blickte auf ihre Armbanduhr. Die fünf Minuten waren längst vorüber.

Mit klopfendem Herzen betrat Regine das Büro der Vollbrecht. Die Anwältin saß am Schreibtisch.

»Wie ich sehe, sind Sie nicht fündig geworden«, sagte sie schnippisch. Regine hätte sich am liebsten auf dem Absatz umgedreht und wäre aus dem Büro gerannt. Stattdessen stand sie wie angewurzelt da und brachte kein einziges Wort heraus.

»Was ist los mit Ihnen? Haben Sie die Sprache verloren?«, bohrte Lydia Vollbrecht jetzt nach.

Regine spürte, wie ihr schwindelig wurde. Sie zuckte ratlos mit den Schultern.

»Das hat ein Nachspiel«, knurrte die Vollbrecht. »Gehen Sie mir aus den Augen.«

Regine verließ fluchtartig das Büro. Ihr war ganz elend zumute. Eine verschwundene Akte! So etwas war ihr in den achtzehn Jahren, die sie bei Seidel, Hinrichs & Partner arbeitete noch nie passiert.

Regine setzte sich an ihren Schreibtisch und dachte: »Wäre ich heute bloß zu Hause geblieben.«

Eine Viertelstunde später bat Norberts Sekretärin sie telefonisch in sein Büro. Normalerweise hätte Regine sich darüber gefreut, aber jetzt, nach diesem Vorfall, machte ihr allein der Gedanke daran, ihm erklären zu müssen, was geschehen war, eine Heidenangst. Nervös pochte sie an seine Tür. Er bat Regine, hereinzukommen und sie tat es.

Norbert saß am Schreibtisch, Lydia Vollbrecht stand neben ihm.

»Ach, bitte treten Sie doch näher«, sagte der Anwalt kühl.

Vorsichtig ging Regine ein paar Schritte auf die beiden zu. Mit gesenktem Blick wartete sie darauf, was nun geschehen würde.

»Frau Vollbrecht hat Ihnen am Freitag eine Akte gegeben«, sagte der Anwalt. »Es dürfte Ihnen doch klar sein, dass es sich dabei um einen äußerst wichtigen Fall handelt, der uns viel Geld einbringen soll.«

Regine nickte zustimmend.

»Dann frage ich Sie, Frau Lange, was damit geschehen ist.«

»Ich weiß es nicht. Ich habe ihr die Akte zur Unterschrift auf den Tisch gelegt«, sagte Regine mit zitternder Stimme.

»Und weshalb ist sie dann nicht dort?«

»Keine Ahnung.«

Norbert Seidel stand auf und ging durchs Zimmer. Lydia Vollbrecht verschränkte die Arme vor der Brust und blickte Regine von oben herab an.

»Wenn sich die Akte nicht bis heute Mittag anfindet, muss ich Ihnen, Frau Lange, eine Abmahnung erteilen. So leid es mir auch tut. Sie wissen, was das bedeutet? Es wäre Ihre erste. Ich habe Sie immer sehr geschätzt, die ganzen Jahre über, die Sie bei uns sind«, sagte Norbert. Er hob die Hände und sprach weiter: »Aber solch eine Fahrlässigkeit kann ich Ihnen nicht durchgehen lassen. Das müssen Sie verstehen.«

Regines Herz wurde schwer. Die Abmahnung war nicht so schlimm. Aber dass sie ausgerechnet von ihrem Norbert kam, war eine Demütigung für sie.

»Es tut mir schrecklich leid. Bitte entschuldigen Sie. Es wird nicht wieder vorkommen«, sagte Regine kleinlaut.

»Hoffentlich!«, schnappte die Vollbrecht.

»Gehen Sie jetzt«, sagte Norbert Seidel in einem beschwichtigenden Tonfall.

Regine atmete auf. Sie verließ das Büro und setzte sich an ihren Schreibtisch.

»Was für eine Blamage«, dachte sie, obwohl sie gar nichts dafür konnte. »Wäre die Vollbrecht doch zu Herrn Hinrichs gegangen, statt ausgerechnet Norbert damit zu behelligen. Wie stehe ich denn jetzt vor ihm da?«

Die Stunden verstrichen. Von der Akte keine Spur. Regine stellte sich auf das nächste Donnerwetter ein, doch es blieb aus.

Zu Feierabend raffte Regine ihre Sachen zusammen und machte sich rasch auf den Heimweg. Mit Tina oder Hilde wollte sie nicht über die Angelegenheit sprechen. Das war ihr zu unangenehm. Regine nahm sich fest vor, wenn irgend möglich, einen großen Bogen um Lydia Vollbrecht zu machen. Die Anwältin jagte ihr Angst ein.

Einige Wochen darauf saß Regine allein im Büro der Anwaltsgehilfinnen. Es war nach neun Uhr Abends. Sie arbeitete Akten auf, die wegen Tinas Erkrankung – sie hatte sich beim Skifahren den Arm gebrochen – liegengeblieben waren. Hilde hatte bereits vor drei Stunden Feierabend gemacht. Es war ganz still. Nur Regines Computerlüfter surrte.

Plötzlich vernahm sie ein Geräusch. Es hörte sich wie ein Knacken an. Regine unterbrach ihre Arbeit, blickte auf und lauschte. Stille. Die Sekunden verstrichen.

Da war es wieder, dieses Knacken. Es kam von der Tür her.

»Einbrecher«, vermutete Regine und stand auf, um nachzusehen. Ohne sich davon überzeugt zu haben, dass sie richtig lag, wollte sie die Polizei nicht anrufen.

Sie griff nach einem Briefbeschwerer. Im Notfall würde sie dem Eindringling damit eins überziehen. Selbstverständlich nur, um sich gegen ihn zu wehren.

Sie löschte das Licht und schaltete ihren Computerbildschirm aus. Sie wollte vom Eindringling unentdeckt bleiben, um sich nicht in Gefahr bringen.

Das Knacken wurde lauter. Regine schlich zur Tür. Sie legte ein Ohr an das Holz und fuhr zusammen. Aus dem Knacken war ein Rascheln, Schaben, Reißen geworden. Es klang, als ob Plastiktüten knisterten oder ein schwerer Gegenstand über den Boden geschleift würde.

Plötzlich wusste Regine, was das war!



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