Marina Frank - Buch: Tödliches Geschenk
Marina Frank - Vielseitig!


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Tödliches Geschenk
Eine Familien-Idylle wird zerstört. Eine neue Niere muss gefunden werden. Und plötzlich wird auch noch ein Kind entführt...
Der ungewöhnliche Krimi zum Thema Organspende

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Marina Frank - Ganz schön vielseitig!

Tödliches Geschenk

Buch-Cover: Marina Frank - Tödliches Geschenk Tödliches Geschenk

ISBN der Print-Ausgabe: 978-1502542465
Amazon-Produkt-ID des eBooks (ASIN): B00O170HPG
Seiten: 248
eBook: 0,99 €
Taschenbuch: 8,99 €

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Die Runges leben mit ihren zwei Kindern Jonas und Anna-Lena auf dem Land. Axel geht voll und ganz in seiner Arbeit als Architekt auf. Bea möchte in ihren alten Beruf zurück und nimmt – gegen den Willen ihres Mannes – eine Stelle als Nachtschwester im Krankenhaus an. Dort begegnet sie Marie, der 19-jährigen Nichte von Frau Wendt, einer krebskranken Patientin. Nach Frau Wendts Tod nimmt Bea das junge Mädchen bei sich auf. Marie kümmert sich um den Haushalt und mehr und mehr auch um die Kinder. Als Bea bei einem Autounfall schwer verletzt wird, übernimmt Marie zu Hause das Ruder. Aber kann die Familie ihr trauen?

Bea ist schon auf dem Weg der Besserung, als ihre Nieren versagen. Eine Spenderin scheint gefunden, aber es gibt jemanden, der die Transplantation verhindern will. Und die Situation eskaliert, als plötzlich ein Kind der Runges verschwindet…

Beschreibung

“Tödliches Geschenk“ handelt von den vier Runges. Sie sind eine ganz normale Familie, die sich den Herausforderungen des Alltags stellt. Ihr Leben verläuft in geordneten Bahnen, bis es sich plötzlich auf dramatische Weise ändert: Bea Runge, Axels Ehefrau und Mutter von Anna-Lena und dem kleinen Jonas, braucht nach einem Autounfall eine neue Niere.

Falls Sie jetzt annehmen, diese Geschichte sei wieder mal so eine typische Story zum Thema Organspende, unterliegen Sie einem gewaltigen Irrtum! Mein Buch “Tödliches Geschenk“ befasst sich keineswegs mit verschleppten Personen, denen in einer Privatklinik gegen ihren Willen Organe entnommen werden, um diese an reiche Leute zu verschachern.

Die Geschichte von Familie Runge basiert im Kern auf einer wahren Begebenheit. Sie trug sich bereits vor einigen Jahren zu und schockierte damals die deutsche Öffentlichkeit. Auch mich erschütterten die schrecklichen Zeitungsmeldungen und Fernsehberichte.

Ich habe das Unfassbare in einem Roman verarbeitet. Er liegt nun für Sie zum Lesen bereit. Und glauben Sie mir: Die Dinge sind nicht immer so, wie sie uns erscheinen mögen...

Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die im Kern aber auf einer wahren Begebenheit beruht.

Das Unfassbare trug sich im Februar 2005 zu. Damals schockierten Meldungen über Menschen, die nach Organ-Transplantationen keineswegs genasen, sondern schwer erkrankten und innerhalb weniger Wochen starben, die deutsche Öffentlichkeit. Die Patienten hatten Organe einer an Tollwut erkrankten Person bekommen, was ihren sicheren Tod bedeutete.

Auch wenn dieses dramatische Ereignis bereits Jahre zurückliegt, lässt es mich nicht los. Allein die Vorstellung, dass schwerkranke Menschen jahrelang auf ein neues Organ gewartet hatten, es ihnen dann endlich zur Verfügung stand und sie hoffnungsvoll in eine neue Zukunft schauten, um schließlich jämmerlich zu sterben, hat mich sehr aufgewühlt.

Ich kenne einige Organ-Transplantierte. Sie zählen zu meinem Freundeskreis. Ich habe miterlebt, wie einschneidend die Erfahrung, auf eine neue Niere oder eine Leber angewiesen zu sein, für sie war und ist. Sie bestimmt ihr gesamtes weiteres Leben.

Letztes Jahr habe ich endlich die Zeit gefunden, “Tödliches Geschenk“ zu schreiben. Nun liegt mein Buch für Sie zum Lesen bereit.

Ich möchte damit einerseits zu Ihrer Unterhaltung beitragen, Sie aber anderseits auch zur Auseinandersetzung mit dieser sehr persönlichen Materie bewegen. Das bedeutet jedoch keineswegs, Ihnen für "den Fall der Fälle" eine Organspende ans Herz zu legen. Diese Entscheidung können nur Sie selber treffen.

Leseprobe

Hier finden Sie einen Auszug aus meinem Buch. Ich hoffe, er macht Ihnen Appetit auf mehr...

Frau Wendts Beerdigung fand zwei Wochen später statt. Es war ein trüber, grauer Tag. Der Wind trieb dicke Regenwolken über den Himmel und zerrte an den Blättern der Bäume. Es roch nach Herbst.

Außer dem Pastor standen nur Bea und Marie am offenen Grab, sonst war niemand gekommen, um der Verstorbenen das letzte Geleit zu geben. Frau Wendt und Marie hatten sehr zurückgezogen gelebt. Die Tote war nicht verheiratet gewesen, hatte keine Kinder oder andere Verwandte gehabt. Und sie war schon lange arbeitslos gewesen. Ihre Freunde hatten sich längst zurückgezogen.

Marie weinte nicht. Sie ließ die Zeremonie tapfer über sich ergehen. Bea nahm Marie in den Arm und drückte sie ganz fest. Die junge Frau tat ihr wieder einmal unendlich leid.

Marie wohnte noch immer bei den Runges. Bea war nicht davon abzubringen, sich auch nach der Beerdigung weiter um sie zu kümmern. Axel fand das falsch. Selbst nachdem Bea ihm erzählt hatte, was mit Marie los war, hatte er ein riesiges Theater gemacht, Bea beschimpft, ihr gedroht, sie zu verlassen, falls sie ihn nochmal vor vollendete Tatsachen stellte und tagelang den Beleidigten gespielt, aber das konnte sie verschmerzen. Worte waren schließlich etwas anderes als Taten. So weit, dass Axel seine Koffer packte und ging, würde Bea es niemals kommen lassen.

Die Kinder mochten Marie. In den ersten Tagen war sie etwas scheu gewesen. Das hatte sich rasch gegeben. Nun spielte sie mit Jonas und Anna-Lena, und Bea sah förmlich, wie gut ihr die Gesellschaft der Kinder tat. Selbst Axel musste eines Tages zugeben, dass er sich nicht nur an Marie gewöhnt hatte, sondern sie sogar ganz sympathisch fand.

Marie war eine stille Mitbewohnerin. Sie störte nie, half im Haushalt und schien immer genau zu wissen, was jemand brauchte. Dann war sie mit einem kühlen Bier für Axel, wenn er müde von der Arbeit nach Hause kam, einem Pflaster für Jonas’ aufgeschlagenes Knie, einer Tasse heißer Milch mit Honig gegen Beas Halsschmerzen oder – zum Trost für Anna-Lena, die in der Schule von einem großen Jungen geschubst worden war, mit einem Stück Schokoladenkuchen zur Stelle. Marie konnte hervorragend kochen. Axel und die Kinder liebten ihre Pfannkuchen, die sie ihnen jeden Morgen zum Frühstück machte. Besonders gut kamen Maries Eintöpfe an.

Beas Kochkünste waren bald nicht mehr gefragt. Sie fand das okay. Es störte sie nicht. Bea freute sich sogar für Marie.

Die Oktobertage verstrichen. Marie lebte sich immer besser bei den Runges ein. In Absprache mit Bea führte sie den gesamten Haushalt inzwischen allein.

Bea hatte jetzt viel mehr Zeit für die Kinder und für sich selber. Nun, mit Marie an ihrer Seite, konnte sie praktisch an jedem Wochentag Nachtdienste erkrankter Kolleginnen übernehmen. Sie liebte die Arbeit im Krankenhaus und vertraute ihrer neuen Mitbewohnerin voll und ganz. Marie hatte Frau Kramer bereits seit geraumer Zeit an den Donnerstagvormittagen abgelöst und kümmerte sich jetzt um Jonas. Das klappte hervorragend.

Axel sah es nur ungern, wenn Bea mehr als eine Nacht pro Woche weg war. Sein Argument, sie würde die Kinder vernachlässigen, konnte er jetzt allerdings vergessen, also fand er sich irgendwie mit der Situation ab.

An einem verregneten Novembertag meldete Schwester Heike sich wieder einmal telefonisch bei Bea. Sie bat sie aber nicht um die Vertretung einer Kollegin, sondern fragte, ob Bea noch immer an einer zusätzlichen, regulären Nachtschicht pro Woche interessiert sei.

»Ja«, sagte Bea. Sie freute sich darüber, dass Schwester Heike an sie gedacht hatte. Sie war kurz davor zuzustimmen, als ihr der letzte große Streit mit Axel einfiel. Bea wollte ihn nicht schon wieder vor vollendete Tatsachen stellen und bat ihre Chefin selbst auf die Gefahr hin, die zweite Nacht nicht zu bekommen, weil jemand anderes schneller zusagte, um einen Tag Bedenkzeit.

»Na gut«, sagte Schwester Heike. Sie war nicht gerade begeistert davon, zu warten, »ich kenne Sie ja inzwischen und ich weiß, was ich an Ihnen habe. Bis morgen halte ich Ihnen die Nacht frei, aber dann brauche ich eine Antwort.«

Bea atmete erleichtert auf, bedankte sich bei ihr und beendete das Gespräch.

Axel kam heute schon am frühen Nachmittag von der Arbeit nach Hause. Bea konnte sich nicht daran erinnern, wann das zuletzt passiert war. Ihr Mann sah müde und abgespannt aus. Es stellte sich heraus, dass er nicht nur eine dicke Erkältung, sondern auch noch Fieber hatte. Während Marie mit den Kindern spielte, übernahm Bea die Krankenpflege. Sie schickte Axel ins Bett, brachte ihm einen Tee mit Zitrone und eine zusätzliche Decke, um das Fieber aus dem Körper heraus zu schwitzen.

Während Axel schlief fragte Bea sich, wann und wie sie mit ihm über Schwester Heikes Anruf sprechen sollte. Es aus Rücksicht, weil er krank war, zu verschieben, ging nicht. Sie hatte ja nur diesen einen Tag Bedenkzeit. Bea entschied sich für den direkten Weg. Als sie nach Axel sah, war er bereits wieder wach. Es ging ihm etwas besser. Bea setzte sich zu ihm und legte los.

Sie sprach von Schwester Heikes Angebot und sagte, dass sie es gern annehmen würde. Dabei betonte Bea, wie wichtig es ihr war, Axel in die Entscheidung mit einzubeziehen.

»Wie du siehst, bin ich lernfähig. Bitte sag Ja.«

Als Bea geendet hatte, sah Axel sie schweigend an. Dass er ihren Ausführungen aufmerksam gefolgt war, erstaunte und verunsicherte sie zugleich. Normalerweise unterbrach er Bea, sobald sie das Thema Arbeit anschnitt. Dann wurde er laut oder winkte genervt ab. Was war los? Fühlte Axel sich etwa zu schwach, um zu protestieren?

»Es ist nur eine Nacht. Wenn ich sie bekomme, werde ich weniger Vertretungsdienste machen«, merkte Bea vorsichtig an, als sie die Stille im Zimmer nicht mehr länger aushielt.

Axel setzte sich im Bett auf. Er nahm Beas Hand und fragte: »Ich kann dir diese zweite Nacht wohl kaum ausreden, nicht?«

Bea wurde verlegen. Wie genau er sie kannte. Axel hatte recht. »Ich...«, begann sie, aber er fiel ihr ins Wort: »Schon gut. Ich bin einverstanden. Du gibst ja sowieso keine Ruhe. Und jetzt, mit Marie im Haus, wird’s ja auch gehen.«

Bea lächelte. Sie löste ihre Hand aus seiner und umarmte Axel dankbar. Nach einer Weile zog sie sich zurück. »Eigentlich könnte Marie doch ganz bei uns wohnen. Findest du nicht auch?«

»Das tut sie doch bereits.«

»Aber da ist noch immer die Wohnung, in der sie mit ihrer Tante gelebt hat. Es wird Zeit, sie aufzugeben.«

»Das stimmt. Sprich mit ihr. Dann kann Marie ganz zu uns ziehen.«

»Ich hoffe nur, dass sie schon so weit ist. Es wird schließlich nicht leicht für sie.«

»Du machst das schon, mein Schatz. So hast du wieder jemanden, um den du dich kümmern kannst, aber vergiss mich nicht«, murmelte Axel und küsste Bea trotz seiner Grippe auf den Mund.

»Keine Sorge«, sagte sie, kroch zu ihm ins Bett und kuschelte sich an ihn.

Marie war mit der Aufgabe der Wohnung ihrer Tante einverstanden. Bea hatte den Eindruck, dass sie die Angelegenheit so schnell wie möglich hinter sich bringen wollte.

Marie besaß nicht viel. Ihre persönliche Habe war rasch in Beas Auto verstaut. Frau Wendts Kleidung und das Geschirr bekam die Kirche und die Möbel taugten höchstens noch für den Sperrmüll.

Bea wusste nicht, was sie bedrückender fand, das ärmliche Leben, das Marie und ihre Tante geführt hatten oder die Tatsache, dass Marie so wenig von sich erzählte. Die Einsamkeit schien die junge Frau wie eine Wolke einzuhüllen und das nicht erst seit dem Tod der Tante.

Bea nahm sich vor, Marie die schönen Seiten des Lebens zu zeigen. Die Vorweihnachtszeit kam ihr da gerade recht. Bea, Marie und die Kinder buken Kekse, gingen Eislaufen, bastelten die Weihnachtsdekoration für das ganze Haus selber, aßen Bratäpfel mit Vanillesoße und sangen Weihnachtslieder. Während sich viele Leute über den Stress beklagten, war der Dezember dieses Jahr für Bea das pure Vergnügen. Ihre Kinder und Marie um sich zu haben, tat Bea einfach gut.

Conny sah das ganz anders. Sie war Marie während eines Besuchs bei Bea begegnet. Conny mochte Beas kleine, zierliche, stille Mitbewohnerin nicht. Außerdem fand Conny es eigenartig, dass ihre Freundin sich mit einer so viel Jüngeren zusammentat.

»Was willst du bloß mit der?«, fragte sie Bea eines Tages am Telefon. »Du hast doch schon zwei Kinder. Reichen dir Jonas und Anna-Lena etwa nicht? Wieso muss diese Marie auch noch bei euch wohnen? Pass nur auf, dass Axel nichts mit der anfängt! Obwohl, viel ist ja nicht an dem Hungerhaken dran... Aber wer weiß? Manche Männer stehen ja auf so was.«

Bea war sprachlos vor Empörung. Sie glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. Was bildete Conny sich eigentlich ein? Sie war zwar ihre beste Freundin, aber das musste nicht so bleiben. Besonders frech fand Bea die Andeutung, Axel könne ein Verhältnis mit Marie anfangen. Das ging nun wirklich zu weit.

»Meine liebe Conny«, begann Bea, »ich denke, es ist besser, du kümmerst dich um deine eigenen Angelegenheiten und lässt uns in Zukunft in Ruhe! Was bist du eigentlich für eine Freundin? Auf solche Kommentare kann ich gut verzichten!«

Bea legte den Hörer auf. Vor Wut und Enttäuschung kamen ihr die Tränen.

»Soll Conny doch bleiben, wo der Pfeffer wächst!«, dachte sie. »Die wird schon wieder zur Vernunft kommen... Und wenn nicht, ist das auch egal!« Bea putzte sich die Nase. Sie musste zugeben, dass sie ihre Freundin in letzter Zeit vernachlässigt hatte. »Aber Marie braucht nun einmal viel Zuwendung. Sie hat schließlich einen schweren Verlust erlitten und trauert um ihre Tante«, ging es Bea durch den Kopf. »Das muss selbst Conny einsehen. Oder ist sie etwa eifersüchtig auf Marie? Wie absurd! Dazu hat Conny keinen Grund! Marie und Axel ein Verhältnis? So ein Quatsch! Er würde niemals etwas mit ihr anfangen. Marie ist einfach nicht sein Typ. Außerdem arbeitet Axel viel zu viel. Er ist nie zu Hause, aber Marie schon. Axel hätte gar keine Zeit, für eine andere Frau!« Plötzlich sah Bea seine Arbeit in einem ganz neuen Licht: »Wenn ich einen Grund hätte. eifersüchtig zu sein, dann auf die Firma, aber doch nicht auf Marie!«

Bea hatte keine Lust mehr, sich noch länger mit diesem Thema zu befassen. Marie brauchte sie jetzt und nur das allein zählte.

Dieser Winter machte seinem Namen alle Ehre. Es war Mitte Februar und bitterkalt. Der Schnee lag schon seit Tagen auf Wiesen und Feldern und ließ die Äste der Bäume unter seinem Gewicht tief herab hängen. Die Kinder waren begeistert. Sie veranstalteten Schneeballschlachten und fuhren mit dem Schlitten kleine Hügel hinunter. Auf den Seen hatte sich bereits eine dünne Eisschicht gebildet. Nicht mehr lange, dann könnten sie darauf Schlittschuhlaufen.

An diesem Mittwochnachmittag bauten die Kinder mit Marie im Garten einen Schneemann. Jonas und Anna-Lena juchzten und quiekten vor Vergnügen. Selbst Marie war ab und zu zu hören.

Bea – eine Tasse Kaffee in der Hand – stand am Fenster und sah ihnen vom Wohnzimmer aus zu. Es war viertel vor sechs. Die Wolken hingen tief am Himmel und die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Bea ließ sich auf die Couch fallen. Sie nahm eine Illustrierte vom Tisch und begann, darin zu blättern. Krümel kam zu ihr. Er kletterte auf Beas Schoß und rollte sich zusammen.

Die Kinder stürmten herein, Marie im Schlepptau. Sie waren noch ganz aufgekratzt. Ihre Wangen waren vor Kälte gerötet und ihre Augen strahlten voller Stolz auf das kühle Kunstwerk im Garten.

Auch Marie machte einen gelösten Eindruck auf Bea. In den letzten Monaten hatte sie sich verändert, war nicht mehr so blass, und sie hatte etwas an Gewicht gewonnen. Bea bereute es nicht, sie bei sich aufgenommen zu haben. Waren die Tage am Krankenbett von Frau Wendt noch Maries Feinde gewesen, so schien die Zeit jetzt, bei den Runges, zu ihrer Freundin geworden zu sein. Was allerdings tatsächlich in Marie vorging, wusste nur sie selber. Bea vermied es, sie darauf anzusprechen. Sie hoffte, Marie würde sich ihr eines Tages von allein anvertrauen, wenn sie erst mal so weit war.

Zwei Stunden später brachte Bea Anna-Lena und Jonas ins Bett. Sie konnte es sich nicht erklären, aber heute Abend hatte ihr ganz besonders viel daran gelegen, es selber zu tun und sich genug Zeit für die Kinder zu nehmen. Marie saß im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Bea verabschiedete sich von ihr und verließ das Haus.

Draußen war es bitterkalt. Der Wetterbericht sagte für die nächsten Tage sinkende Temperaturen voraus. Es würde also noch kälter werden. Da blieb man eigentlich besser zu Haus, im Warmen. Selbst Krümel, der den Schnee liebte, war heute nicht dazu zu bringen, auch nur einen einzigen Schritt vor die Tür zu wagen. Bea blickte zum Himmel hinauf. Er war jetzt sternenklar. Der Ostwind hatte die Wolken fortgeweht, sodass die Kälte nun direkt aus großer Höhe auf die Erde fiel.

Bea zog ihre Mütze tief ins Gesicht und ging vorsichtig zu ihrem Auto, um nicht auszurutschen. Die Fensterscheiben waren mit einer dicken Eisschicht überzogen. Bea seufzte. Kratzen war angesagt.

Nach einigen Minuten hatte sie das Glas vom Eis befreit und fuhr los.

Die Straßen waren wie leergefegt. Im Dorf kam Bea bloß ein Auto entgegen. Sie kannte es sehr gut. Es war Axels Wagen. Axel winkte ihr zu und fuhr an Bea vorbei. Auf der Landstraße sah es nicht viel anders aus. Auch hier waren nur wenige Autos unterwegs, die sich durch das Winterwetter kämpften. Bea fuhr langsamer als sonst. Ein Blick zur Uhr verriet ihr, dass sie noch genug Zeit hatte, um pünktlich zum Dienst zu kommen.

Sie fand es schön, im Auto durch die verschneite Landschaft zu gleiten. Es war alles so friedlich, sauber und unberührt. Bea hätte stundenlang so weiterfahren können.

Plötzlich spürte sie einen Ruck, und im selben Moment hörte Bea einen Knall. Sie wusste nicht, wie ihr geschah. Sie verlor die Kontrolle über den Wagen. Sie hatte das Gefühl, als verliefe alles in Zeitlupe. Ihr Auto geriet ins Schleudern, überschlug sich und blieb auf dem Dach am Straßenrand liegen. Dann verlor Bea das Bewusstsein.



Tödliches Geschenk - Leseprobe gefällig?

»Dieses verdammte Telefon!«, rief er plötzlich und hieb mit der Faust auf den Couchtisch, sodass die Tassen auf den Untertassen tanzten. Axel war wütend. Reichte es nicht, dass er in den letzten acht Wochen wegen Bea ständig mit schlechten Nachrichten aus dem Krankenhaus rechnen musste und froh war, wenn das Telefon nicht klingelte? Nun saß er hier wie auf Kohlen und hoffte inständig auf Anna-Lenas Anruf.

Wieso kam die Familie nicht zur Ruhe? Es sah doch alles so gut aus. Beas Transplantation stand kurz bevor. Mit Sabines Niere würde sie wieder ganz gesund werden, hatten die Ärzte gesagt, und nun das! Wo war Anna-Lena?

Um viertel nach elf klingelte es an der Haustür. Axel ging, um zu öffnen. Es war Conny. Anstatt ihn wie sonst überschwänglich zu begrüßen und mit einem Redeschwall zu überfallen, stand sie nur so da. Sie sah ihn entsetzt an – einen Zettel in der Hand.

Axel verstand nicht, was das sollte. Er brauchte einen Moment, bevor er fragte: »Ist alles in Ordnung mit dir?« Er trat einen Schritt zur Seite, um Conny hereinzulassen. Sie rührte sich nicht. Es sah so aus, als sei sie an der Türschwelle festgeklebt.

»Komm ins Haus. Du wirst noch ganz nass«, sagte Axel, schob Conny mit einer Hand, die er ihr auf den Arm legte, an sich vorbei und schloss die Tür. Axel sah Conny an. Wortlos hielt sie ihm den Zettel entgegen.

»Was soll ich damit?«, fragte Axel. Conny schwieg noch immer. »Was ist denn bloß mit dir los? Hast du etwa deine Sprache verloren?«

»Lies!«, sagte Conny mit tonloser Stimme. Axel griff nach dem Zettel, der vom Regen feucht geworden war. Er las die Worte, die darauf standen, ohne deren Bedeutung zu erfassen. Sie lauteten:

Diese Transplantation darf nicht stattfinden!
Wenn Sie Ihre Tochter lebend wiedersehen wollen,
lassen Sie die Finger davon!!!

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